Kunstausstellung mit Werken von Thomas Graics

Malerei löst Luftfahrttechnik ab

"Luftbilder und Landschaften" heißt die Ausstellung des in Neuss lebenden Künstlers Thomas Graics, die bis zum 13. Mai im Liedberger Sandbauernhof zu sehen ist.

Der Mann, der nicht nur Ölfarbe und Leinwand besitzt, sondern auch den Flugschein und eine alte Cessna, gewährt dem Betrachter ungewohnte Aus- und Einblicke. Wer fliegt, hat Mut. Mut bewies der gebürtige Düsseldorfer jetzt in besonderem Maße: Seit zwei Jahren als Künstler "auf dem Markt", verkaufte er vor wenigen Wochen sein Geschäft für Luftfahrttechnik, um in Sachen Kunst voll durchstarten zu können. Graics (41) ist Absolvent der Freien Kunstakademie Essen und Schüler von Veit Stratmann. Was sofort ins Auge fällt: Der Niederrhein-Landschaft lässt er ihren spröden Charme, da herrschen mitunter reichlich trübe Aussichten.

Diese rauchigen Bilder stehen - so bemerkte die Kunsthistorikerin Dr. Angela Wilms-Adrians in ihrer Einführungsrede - "in Kontrast zur Schärfe des Realismus". Graics, der seine Motive zunächst fotografiert, nähert sich dem Realismus nur an - das Abbildhafte reichert er mit seinen Stimmungen an. Das Mitglied des "Neusser Künstlerkreises" und der Künstlergruppe "Carpe diem" bedient sich ausschließlich Ölfarben. Der Balanceakt zwischen Akribie, wie sie für einen Piloten lebenswichtig ist und dem Drang, sich von vorgegebenen Motiven zu lösen, wie es einen Maler nun mal reizt, scheint gelungen. Schornsteine, rot und seitlich abgeschrägt, wirken wie überdimensionale Lippenstifte, der Düsseldorfer Landtag wirkt von oben fast wie eine Raumstation.

Besonders gelungen: Das vergleichsweise großformatige Luftbild von Island. Die besondere Herausforderung bestand darin, Meer, Wolken, Felsen, Schnee und Nebel, farblich kaum zu unterscheiden, voneinander abzugrenzen und die Weite erlebbar zu machen. Dass das Ziel voll und ganz erreicht wurde, merkt man am besten, wenn man das Bild aus möglichst großer Entfernung betrachtet. Überhaupt lieben es die Bilder, wenn der Betrachter einen gewissen Abstand hält. Er sieht dann Schornsteine, die bedrohlich nah zu kommen scheinen und bekommt erstmals eine Vorstellung davon, wie gigantisch die Löcher doch sind, die die Braunkohle-Bagger in die Landschaft fressen.

Sehr gefällig und den spezifischen Niederrhein-Charakter verkörpern die Rhein-Ansichten - Bilder, die sich Kunstfreunde mit engem Bezug zur Heimat gern über die Wohnzimmercouch hängen. Thomas Graics ist bezüglich dieser Werke selbstkritisch: "Damit kann ich mir keinen Namen machen, sie erinnern zu sehr an Clarenbach." Seine derzeitige Ideallinie spiegeln die kleinformatigen, quadratischen "Spuren-Bilder" wider - abstrakt wirkende Arbeiten, die von Naturgewalten und Menschenhand geprägte Landschaftsausschnitte zeigen.

Ein etwas anderer Thomas Graics dann auf der Empore: Die "französische Ecke" überrascht mit weniger Luft und mehr Licht - zumindest etwas mehr. Trutzige Mauern, romantische Dörfer, üppige Vegetation, kein Grau-in-Grau, dafür das Spiel mit Licht und Schatten - bei diesen Bildern heißt das Vorbild Paul Cézanne. Die Ausstellung ist am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. barni


NGZ zuletzt aktualisiert: 30.04.2001 21:44
zur Ausstellungseröffnung Liedberger Sandbauernhof